Coming soon: Bildband "Out of the Blue: Gelsenkirchen abseits des Fußballs"

Coming soon: Bildband „Out of the Blue:
Gelsenkirchen abseits des Fußballs“

Unter dem Titel „Gelsenkirchen abseits des Fußballs“ entsteht derzeit ein Fotoband, der ein ungeschminktes und sehr subjektives Bild der Stadt im Herzen des Ruhrgebiets zeigt, und zwar abseits des Fußballs, welcher im Alltag der Menschen eine sehr dominierende Rolle einnimmt und stark zur Identifikation der Stadt beiträgt. Auch jenseits der Emscher wird Gelsenkirchen unabdingbar mit dem Thema Fußball, der Arena auf Schalke und vor allem mit dem FC Schalke 04 in Verbindung gebracht. Wie aber sieht das Leben, der Alltag abseits des Fußballs aus? Diese Frage will Klingberg vor allem Nicht-Gelsenkirchenern mit seiner Publikation beantworten und hebt mit seinen etwa 100 Schwarz Weiß Fotografien den „liebevollen spröden Charme“ und die „morbide fotografische Schönheit“ Gelsenkirchens hervor. Der Fotoband zeigt ein sehr eigenwilliges Bild der Stadt, welcher neben „lyrischen Randgeschehnissen“ und Stillleben auch sehr nahe Portraits beinhaltet. Die Fotografien entstanden im Zeitraum zwischen 2012 und 2016.

Der Bildband hat keinen klassisch-formalen fotodokumentarischen Anspruch, der etwa themenumrissene Aspekte des gesellschaftlichen Lebens der Stadt aufzeigt. Den Betrachter*innen begegnen die Inhalte der Fotografien eher zufällig, so, als ob sie einen ortsunkundigen Spaziergang durch die Stadt machen, sich treiben lassend, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben, ähnlich wie auch schon bei Klingbergs Bildband ->DANZIG.

Weniger zufällig sind jedoch die Portraits. Diese sind in der Regel im Rahmen von Fotoprojekten entstanden und wirken aufgrund der Stilisierung weniger flüchtig als die „aus heiterem Himmel“ entstandenen Straßenszenen, wenn auch über die Personen selbst nichts zu erfahren ist. Dennoch begegnen die Menschen auf den teilweise sehr nahen Portraits den Betrachter*innen als gute Freunde oder alte Bekannte. Zumindest aber als Menschen aus der Nachbarschaft, an denen man schon einmal vorbeigegangen ist und an deren Gesichter man sich erinnert. Klingberg hat bewusst – abgesehen von einigen wenigen Portraits von Personen des öffentlichen Lebens – auf die Untertitlung der Fotografien mit Namen, Berufen oder sonstigen soziodemografischen Merkmalen verzichtet.

Wer in dem Bildband nach verfallenen Industrieruinen oder illuminierter Industriekultur sucht, der wird nicht  fündig. Auf die Darstellung postindustrieller Ruhrpott-Romantik in aufwendig bearbeitetem Digi-Look hat Klingberg bewusst verzichtet. Die Bildsprache ist schlicht. Wenig Technik, viel Inhalt. Der Fotograf zeigt Menschen bei der Kartoffelernte, Jugendliche, die von einer Brücke in den Kanal springen, Nachbarn, Freunde, Drogenabhängige, Bilder einer besonderen Hochzeit, Demenzpatienten, illegale Sprayer, Kinder in einem Jugendheim und eine Passbildserie, die einen traurigen Hintergrund hat.

Der erste Teil des Buchtitels „Out of the Blue“ ist ein Wortspiel. Übersetzt aus dem Englischen bedeutet es „aus heiterem Himmel“. Klingberg zielt dabei zum einen auf die Art und Weise der Entstehung eines großen Teils der Aufnahmen ab, die oft eher zufällig beim Flanieren entstanden sind. Zum anderen ist es eine Anspielung auf die Vereinsfarbe des Fußballclubs Schalke 04. „Raus aus dem Blau“ heißt die Wort-für-Wort-Übersetzung und soll den Betrachter*innen bedeuten, dass sie sich auf einen Spaziergang in Gelsenkirchen abseits des Fußballs begeben.

Der Bildband erscheint im Frühjahr 2017.

 

Text: C. Jordan

 

 

"Stoppeln" auf einem Kartoffelfeld in Gelsenkirchen.

„Stoppeln“ auf einem Kartoffelfeld in Gelsenkirchen.

 

Parallelstraße im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke Nord

Parallelstraße im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke Nord

 

Portrait im Norsternpark in Gelsenkirchen Horst

Portrait im Norsternpark in Gelsenkirchen Horst

 

Besucher auf einem Straßenfest

Besucher auf einem Straßenfest

 

Ernte unterm Schornstein

Ernte unterm Schornstein



Beitrag veröffentlicht im August 2016
.............
© Thomas Klingberg  2017 | Documentary Photography
▲ back to top
MENU