Ausstellung Brüche und Aufbrüche von Thomas Klingberg und Frank Menke


Brüche und Aufbrüche
Dokumentar-Ausstellung in Fotos und Texten

Über Langzeitarbeitslose und das Dasein im Hartz-IV-Kosmos.
Über gesellschaftliche Ausgrenzung und Wertschätzung.
Über stoffliches Upcycling und persönliche Aufwertung.
Über Würde, Träume und die Kunst, unter Wasser zu atmen.

Krankheit. Schicksalsschläge. Psychosoziale Probleme. Rationalisierung. Mangelnde Bildungschancen. Digitale Revolution. Berufe ohne Zukunft. Menschen rutschen aus ganz unterschiedlichen Gründen in die Arbeitslosigkeit ab. In der bundesdeutschen Leistungsgesellschaft nicht für seinen eigenen Lebensunterhalt sorgen zu können, geht im öffentlichen Diskurs oft genug einher mit Ächtung. Vor allem Langzeitarbeitslose erleben sich in hohem Maße stigmatisiert und ausgegrenzt. Als Folge leiden sie besonders darunter, kaum oder gar nicht mehr am sozialen Leben teilzunehmen.

Selbst schuld: Die entsolidarisierte Gesellschaft

Das Bild, das Menschen in Arbeit von Menschen ohne Arbeit haben, ist weit verbreitet von Vorurteilen geprägt. In einer sich zunehmend entsolidarisierenden Gesellschaft wird den Betroffenen gerne unterstellt, sie seien Faulpelze und Schmarotzer, die gar nicht arbeiten wollten und es sich auf Kosten der Allgemeinheit in der sprichwörtlichen sozialen Hängematte bequem gemacht hätten. Außerdem ist ja jeder seines eigenen Glückes Schmied und demnach selbst schuld, wenn sein Lebensentwurf scheitert.

Zäsuren im Leben

Ist das wirklich so? Der Dokumentarfotograf Thomas Klingberg und der Journalist Frank Menke begleiten Menschen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance mehr auf Vermittlung haben. Dass sie in eine solche Krise geraten sind, hat häufig mit einem persönlichen Bruch in ihrem Leben zu tun – oder mit mehreren Brüchen.

“Als ich in der ersten Klasse war, begann der sexuelle Missbrauch durch meine Mutter. Damals hielt ich das für normal. Als ich älter wurde, dachte ich mir, hier stimmt was ganz Gravierendes nicht. Mit elf, zwölf Jahren war ich dann bei meiner Großmutter im Urlaub. Ein vermeintlich netter Onkel verging sich dort regelmäßig an mir. “

Es sind jedoch nicht nur Zäsuren im Leben, die sich in den Biografien von vielen Langzeitarbeitslosen wiederfinden. Da ist auch der Wunsch nach Aufbruch. Da ist die Sehnsucht, wieder ein selbstbestimmtes Leben jenseits von Hartz IV und Jobcenter zu führen, Wertschätzung und Würdigung zu erfahren.

Upcycling: Ausrangiertes aufwerten und damit sich selbst

Um Langzeitarbeitslose in ihrer Lebenssituation zu stabilisieren und wieder an einen Arbeitsalltag heranzuführen, kooperieren die Jobcenter mit zahlreichen sozialen Organisationen. Einen Rahmen dazu bietet beispielsweise das Projekt “Upcycling“ der gemeinnützigen Düsseldorfer renatec GmbH. Dort erschaffen Hartz-IV-Betroffene aus ausrangierten Gebrauchsgegenständen etwas Neues, geben so scheinbar Nutzlosem eine neue Funktionalität und gewinnen daraus wieder ein positiveres Selbstwertempfinden. In den Werkstätten wird gesägt, gehämmert, geschmirgelt, poliert, gemalt. Es wird auseinandergenommen und zusammengesetzt. Aus Altem entsteht Neues – eine vortreffliche Analogie zum Leben dieser Menschen in dieser Maßnahme.

Der Fotograf Thomas Klingberg

Der Düsseldorfer Dokumentarfotograf Thomas Klingberg gibt den im Upcycling-Projekt arbeitenden Menschen buchstäblich ein Gesicht. Seine Porträts spiegeln ihre Ängste, ihre Traurigkeit, ihre Wut und Verzweiflung, aber auch ihre Hoffnungen und Sehnsüchte wider. Seine dokumentarischen Momentaufnahmen verweisen darüber hinaus auf den Arbeitsalltag und die Fähigkeiten dieser Menschen, denen das Wasser nicht bis zum Hals, sondern bis zum Scheitel steht – und die sich deshalb in der Kunst üben, unter Wasser zu atmen.

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Der Journalist Frank Menke

Der Düsseldorfer Journalist Frank Menke gibt den im Upcycling-Projekt arbeitenden Menschen eine Stimme. Er dokumentiert ihre Vorstellungen von Wertschätzung und Würde, ihre Brüche im Leben, wie sie ihr Dasein im Hartz-IV-Kosmos erleben, wie sie mit Diskriminierung umgehen, woraus sie Hoffnung schöpfen, was ihnen Mut macht, wovon sie träumen und was sie in ihrem Leben noch erreichen wollen. Seine Texte verstehen sich als Korrektiv zu nachhaltig gepflegten gesellschaftlichen Vorurteilen zum Thema Langzeitarbeitslosigkeit.

Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke eröffnet die Ausstellung

Wir freuen uns sehr, dass Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke die Ausstellung mit einem Grußwort am 14. September 2019  um 14:30 Uhr eröffnen wird.

Zusammenfassung:
Brüche und AufBrüche
Texte und Fotografien
fairhaus Möbelgalerie
Fichtenstraße 42 (neben dem ZAKK)
Düsseldorf

Ein gemeinsames Projekt von Thomas Klingberg, Frank Menke und dem Beschäftigungs- und Qualifizierungsunternehmen renatec aus Düsseldorf. Kuratiert wird die Ausstellung von Künstlerin Jaqueline Lobodda.

Öffnungszeiten:
14. September 2019, 14:00 – 20:00  Uhr
15. September 2019, 12:00 – 18:00 Uhr

Barrierefrei
Parkplätze vorhanden

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Ihre persönliche → Fahrplanauskunft

Anfahrt:

Text: Frank Menke



Beitrag veröffentlicht am 12.08.2019




+49 (0)30 92100520

© THOMAS KLINGBERG