Mandy Böhm

Mandy Böhm, Aufnahme von 2013
Fightclub Gelsenkirchen-Erle

Eine Hommage an Mandy Böhm zu ihrem 36. Geburtstag

Neulich saß ich mit befreundeten Künstlern zusammen und wir unterhielten uns darüber, welche Momente unseres künstlerischen Schaffens uns besonders im Gedächtnis geblieben sind. Natürlich ist jeder fotografische Augenblick auf seine Weise bedeutsam – doch manche Begegnungen bleiben noch lange in besonderer Erinnerung. So ging es mir mit Mandy Böhm.

Im Jahr 2013 entstand dieses Porträt der Kampfsportlerin Mandy Böhm. Die Künstlerin Bärbel Frank beauftragte mich damals, Fotografien für ihre taktile Werkserie „Starke Typen“ anzufertigen. Die Aufnahmen entstanden im Fight Club Gelsenkirchen-Erle. Ziel der Serie war es, Porträts für sehbehinderte und blinde Menschen taktil erfahrbar zu machen. Die Fotografien wurden dabei mit feinen, strukturierten Objekten überarbeitet, sodass Form, Haltung und Ausdruck der dargestellten Personen durch Berührung wahrnehmbar wurden. Die Werke wurden 2013 im Senator-Ernst-Weiß-Haus in Hamburg ausgestellt – ein Projekt, das Kunst, Inklusion und soziale Aussagekraft eindrucksvoll verband. Mandy Böhm wie auch Michael Kopzog, ehemaliger Deutscher Meister im Halbweltergewicht, sagten ihre Teilnahme für das Kunstprojekt auf Anfrage von Bärbel Frank sofort zu.

Bei unserem ersten Treffen hat mich Mandy Böhm sofort beeindruckt: eine selbstbewusste, ausgesprochen höfliche, freundliche junge Frau, respektvoll im persönlichen Umgang, mit einem grazilen, fast tänzerischen Bewegungsablauf, sehr zarten Gesichtszügen und einer sehr feinen und gewählten Sprache. Sie hatte eine raumgreifende Präsenz, wirkte dabei aber völlig unprätentiös – ohne Allüren, ohne jedes Gehabe, einfach sehr angenehm und verbindlich in ihrer Art.

Neben den üblichen Aufnahmen in dynamischer Kampfpose war es mir ein Anliegen, für die Werkserie von Bärbel Frank ein Bild zu schaffen, das eine starke Persönlichkeit in einer ruhigeren, nachdenklichen Haltung zeigt – ein Porträt, das Kraft, Verletzlichkeit, Reflexion und Entschlossenheit zugleich ausdrückt. Mandy Böhm zeigte sich offen für diesen Gedanken und so ist dieses Porträt entstanden.

Vom Fightclub Gelsenkirchen-Erle in die weite Welt

Geboren am 30. Juli 1989 in Gelsenkirchen – heute ist ihr 36. Geburtstag – war Mandy Böhm zunächst sportlich in ganz anderen Disziplinen unterwegs: Turnen und Tanz bestimmten ihre Jugend. Erst mit 18 Jahren kam sie zum Kampfsport – ein später Einstieg, der ihr umso mehr Ehrgeiz abverlangte. Parallel zu ihrer Ausbildung und Arbeit als Industriemechanikerin begann sie hart zu trainieren. Schnell folgten erste Erfolge: nationale Turniere, dann Kickboxen auf internationalem Niveau – Mandy Böhm wurde zweifache Europameisterin.

MMA-Titelgewinn in Kanada

Ein entscheidender Karriereschritt nach ihrem Wechsel vom Kickboxen in die Disziplin Mixed Martial Arts – gemischte Kampfkünste – erfolgte 2019: Mandy Böhm reiste nach Kanada, um bei der Organisation TKO MMA anzutreten. Dort besiegte sie ihre Gegnerin Jade Masson-Wong durch technischen Knockout und sicherte sich den Weltmeistertitel im Fliegengewicht. Dieser Sieg öffnete Türen – nicht nur sportlich, sondern auch vertraglich: Darauf wurde sie von Bellator MMA, einer der größten MMA-Ligen der Welt, unter Vertrag genommen.

Der Sprung in die UFC

Der nächste Meilenstein ließ nicht lange auf sich warten. Im Herbst 2021 stand Mandy Böhm erstmals im “Käfig” der Ultimate Fighting Championship (UFC), eine der renommiertesten Kampfsportligen der Welt. Sie verlor ihr Debüt gegen die Brasilianerin Ariane Lipski nach Punkten, auch der zweite UFC-Kampf gegen die US-Amerikanerin Victoria Leonardo ging nicht zu ihren Gunsten aus. Doch Mandy Böhm ließ sich nie entmutigen.

Ab nach Vegas und erster UFC-Sieg

Im Jahr 2022 verlegte Mandy Böhm ihren Lebensmittelpunkt von Gelsenkirchen nach Las Vegas, um ihre MMA-Karriere weiter voranzutreiben. Dort traf sie auf ein professionelles Umfeld, das es ihr ermöglichte, sich sportlich weiterzuentwickeln und auf höchstem Niveau zu konkurrieren.

Im Mai 2023 schließlich der verdiente Erfolg ihrer harten Arbeit: Mandy Böhm trat bei UFC on ABC 4 gegen die erfahrene Südkoreanerin Ji Yeon Kim an und lieferte einen aufopferungsvollen Fight in einem ungewöhnlichen Kampf. Nach dem Ende der zweiten Runde, als der Gong bereits erklungen war, setzte Kim einen Tritt – ein klares Foul. In der dritten Runde, während Mandy Böhm sich in einer defensiven Position am Boden befand, traf Kim sie mit einem verbotenen Kniestoß – eine Technik, die in dieser Situation als gefährlich und regelwidrig gilt. Mandy Böhm ging zu Boden, sichtlich mitgenommen. Der Ringarzt wurde hinzugezogen, und nach kurzer Untersuchung entschied dieser: Der Kampf kann nicht fortgesetzt werden.

Aufgrund der Regelverstöße der Südkoreanerin und des bereits weit fortgeschrittenen Kampfes wurde dieser nicht abgebrochen und Ji Yeon Kim auch nicht disqualifiziert, sondern durch eine sogenannte Technical Split Decision für Mandy Böhm gewertet – zwei der drei Punktrichter sahen sie vorne. Damit wurde sie offiziell zur Siegerin des Kampfes erklärt.

Neuanfang im Boxring

Nach dem Ende ihrer UFC-Karriere schlug Mandy Böhm einen neuen Weg ein, wagte den Sprung ins Profiboxen – und feierte sogleich vier aufeinanderfolgende Siege, unter anderem gegen Eva Hubmayer in Düsseldorf sowie gegen die polnische Boxerin Karina Szmalenberg in München. Ihr erster Weltmeisterschaftskampf in Frankfurt wurde trotz der Überlegenheit von Mandy Böhm über den Kampfverlauf hinweg überraschend nach Punkten mit 93:96 zugunsten ihrer Gegnerin Mei-Li Folk gewertet.

Zurück nach Gelsenkirchen: Die Monster Academy und Fearless Females

Doch nicht nur sportlich begann für Mandy Böhm ein neues Kapitel. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Profikämpfer Khurshed Kakhorov, kehrte sie nach Gelsenkirchen zurück und gründete dort die Monster Academy, die über eine reine Kampfsportschule weit hinaus geht. Im Zentrum nämlich steht der Gedanke, insbesondere Kinder, Jugendliche und Frauen zu stärken. Es geht um Selbstbehauptung, mentale Resilienz und Gewaltprävention. Die Academy soll Raum geben für persönliche Entwicklung – egal, ob man im Ring stehen oder einfach sicherer durchs Leben gehen will.

Ein besonderes Anliegen ist ihr auch das Projekt „Fearless Females“, eine Initiative zur Stärkung von Frauen im Kampfsport und Alltag. Es ist ihr Beitrag zu einer Gesellschaft, in der Grenzen wahrgenommen und respektiert werden – und in der niemand sich klein machen lassen muss.

Ein bemerkenswerter Weg, den die Gelsenkirchenerin Mandy Böhm in ihrem noch jungen Leben bis hierher gegangen ist – ein Weg, der von unbeirrbarem Ehrgeiz, großer Willenskraft und mutigem Handeln geprägt ist. Sie hat sich nach Rückschlägen immer wieder aufgerafft, daraus gelernt, Kraft gezogen und sich neu ausgerichtet. Dieses ständige Aufstehen, Vorwärtsgehen und das Beschreiten neuer Wege machen ihren Werdegang zu einer inspirierenden Geschichte von Stärke und Durchhaltevermögen. Und mit der Gründung der Monster Academy und dem Projekt „Fearless Females“ gibt sie diese Stärke und ihren Mut weiter – ein beeindruckendes Engagement. Respekt, Mandy Böhm!



Beitrag veröffentlicht am 30.07.2025




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© THOMAS KLINGBERG


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