Wie Leichtigkeit den Blick auf die Welt neu bemisst

In der Architekturfotografie dominiert oft das Monumentale. Das Dreischeibenhaus in Düsseldorf, eine Ikone der deutschen Nachkriegsmoderne, steht normalerweise als Symbol für Beständigkeit, wirtschaftliche Kraft und vertikale Dominanz. Doch in dieser Fotografie verschieben sich die Koordinaten der Wahrnehmung. Der Titel „Wie Leichtigkeit den Blick auf die Welt neu bemisst“ ist hier Programm: Er beschreibt den Prozess einer visuellen Emanzipation.

Dreischeibenhaus in Düsseldorf, Fotografiert von Thomas Klingberg

Dreischeibenhaus in Düsseldorf.

Die Architektur der Schwere

Auf den ersten Blick beherrscht das Gebäude die Szenerie. Seine drei versetzten Scheiben ragen wie steinerne Wächter in einen fast weißen, endlosen Himmel. Die geometrische Strenge und die schiere Masse des Hochhauses verkörpern eine Welt, die nach festen Regeln, Effizienz und Beständigkeit funktioniert. Es ist eine Welt des „Großen“, in der der Mensch oft nur als Maßstab dient, um die Gigantomanie der Konstruktion zu verdeutlichen.

Das Pendel der Aufmerksamkeit

Doch die Fotografie bricht mit dieser Erwartungshaltung. Während das Dreischeibenhaus den linken und mittleren Bildraum vertikal beansprucht, findet das eigentliche Ereignis am rechten unteren Bildrand statt. Dort bewegt sich ein kleines Mädchen, unbeschwert und dynamisch.

Ihre Geste – das weite Schwingen der Einkaufstasche – ist ein Akt purer Lebensfreude. In diesem Moment wird die Tasche nicht als Last wahrgenommen, sondern als Spielzeug, als Verlängerung ihrer eigenen Energie. Diese Bewegung bildet das emotionale Gegengewicht zu den Millionen Tonnen Stahl und Beton im Hintergrund.

Die Neumessung der Welt

Das massive Gebäude dient nicht als Endpunkt für unsere Augen, sondern leitet den Blick sanft weiter, bis er an der spielerischen Leichtigkeit des Mädchens hängen bleibt.

  • Proportion vs. Präsenz: Obwohl das Mädchen nur einen Bruchteil der Bildfläche einnimmt, besitzt sie die größere narrative Präsenz.
  • Farbe und Dynamik: Das satte Grün der schrägen Rasenfläche fungiert als visuelle Brücke. Es führt das Auge von der statischen Architektur hinunter zur dynamischen Figur des Kindes.

Die Fotografie lehrt uns, dass „Größe“ keine Frage von Quadratmetern oder Stockwerken ist. Indem der Betrachter den Blick vom Gigantischen abwendet und dem kleinen, flüchtigen Moment der Unbeschwertheit schenkt, verändert sich der Maßstab der Welt. Das Dreischeibenhaus wird zur bloßen Kulisse für einen Moment, der zeigt: Die wahre Relevanz liegt nicht im Monumentalen, sondern in der Freiheit des Individuums, sich spielerisch durch den Raum zu bewegen. Die Leichtigkeit bemisst die Welt neu – nicht in Metern, sondern in Momenten des Glücks.

Das Dreischeibenhaus in Düsseldorf

Das Dreischeibenhaus ist eines der markantesten Hochhäuser Deutschlands und ein herausragendes Beispiel der Nachkriegsmoderne. Es befindet sich im Herzen von Düsseldorf, unweit des Hofgartens und der Königsallee, und gilt als Symbol für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg.

Architekten und Entstehung des Dreischeibenhauses

Das Dreischeibenhaus wurde zwischen 1957 und 1960 erbaut und von den Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg (Architekturbüro Hentrich, Petschnigg & Partner) entworfen. Die Architekten schufen mit dem Dreischeibenhaus ein visionäres Hochhaus, das durch seine klare Formensprache und elegante Gestaltung internationale Beachtung fand.

Architektur und Gestaltung

Seinen Namen verdankt das Gebäude der dreigeteilten Form: Es besteht aus drei vertikalen, scheibenartigen Baukörpern, die parallel zueinander stehen. Die mittlere Scheibe beherbergt die Hauptnutzung, während die beiden äußeren schmaleren Scheiben die Fassaden bilden. Diese Konstruktion verleiht dem Gebäude seine schlanke, fast schwebende Wirkung.

Die Fassade des Dreischeibenhauses zeichnet sich durch eine klare Glas-Aluminium-Konstruktion aus, die für die damalige Zeit innovativ war und die Eleganz des Internationalen Stils unterstreicht. Die Stirnseiten sind mit gekanteten Edelstahlflächen verkleidet, was dem Gebäude zusätzliche Strahlkraft verleiht. Bemerkenswert ist, dass es sich um eine Stahlskelettbauweise handelt, die in Europa zu jener Zeit einzigartig war.

Daten und Fakten

  • Höhe: 95 Meter
  • Etagen: 25
  • Fassade: Die Glas- und Aluminiumfassade ist typisch für die moderne Architektur der 1950er Jahre und unterstreicht den eleganten, funktionalen Charakter des Gebäudes.
  • Baustil: Internationale Moderne / Nachkriegsmoderne

Nutzung und Bedeutung des Dreischeibenhauses

Das Dreischeibenhaus blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Nach seiner Fertigstellung im Jahr 1960 diente es zunächst als Hauptsitz der Phoenix-Rheinrohr AG Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke, die 1964 von der Thyssen AG übernommen wurde. In den folgenden Jahrzehnten war das Gebäude eng mit dem Industriekonzern Thyssen verbunden und galt lange Zeit als eines der modernsten Bürogebäude Deutschlands. Nach der Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999 war das Dreischeibenhaus auch ein Teil des Firmensitzes der neuen ThyssenKrupp AG.

Im Jahr 2010 zog ThyssenKrupp aus dem Gebäude aus, und es wurde anschließend verkauft. Zwischen 2013 und 2015 wurde das Hochhaus umfassend saniert – verantwortet vom Architekturbüro HPP Hentrich-Petschnigg und Partner, das bereits den ursprünglichen Bau entworfen hatte. Dabei gelang es, die denkmalgeschützte Fassade zu bewahren und zugleich die technischen Standards auf ein zeitgemäßes Niveau zu bringen.

Heute wird das Dreischeibenhaus wieder als hochmodernes Bürogebäude genutzt und ist Sitz zahlreicher namhafter Firmen, darunter A.T. Kearney, Allen & Overy, Alltours, Black Horse Investment, Cadman, Collection Business Center, Gleiss Lutz, Jones Lang LaSalle, Latham & Watkins, Roland Berger sowie die internationale Wirtschaftskanzlei Clyde & Co. Im Erdgeschoss befindet sich zudem das gehobene Restaurant „Phoenix“, das in der ehemaligen Telefonzentrale untergebracht ist und seit Dezember 2015 zum gastronomischen Angebot der Düsseldorfer Innenstadt gehört.

Das Dreischeibenhaus ist damit nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen der Nachkriegszeit, sondern auch ein lebendiger Teil des wirtschaftlichen und kulturellen Zentrums der Stadt Düsseldorf.

Kunstdruck des Dreischeibenhauses

Einen Kunstdruck der Abbildung oben des Dreischeibenhauses in Düsseldorf können Sie hier erwerben: Kunstdruck Dreischeibenhaus



Beitrag veröffentlicht am 10.11.2025




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© THOMAS KLINGBERG


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