In meinem vergangenen Blogpost zeigte ich einen Jungen, der ein Maschinengewehr in den Händen hielt. Hierzu mal ein Gegenentwurf: Kinder in Moskau singen für den Frieden.

 

Moskau Foto Tagebuch Thomas Klingberg 36

Eigentlich ist an diesem Haus nichts besonderes, zumindest nicht auf dem ersten Blick. Doch in diesem Haus wohnt Artjom, ein Haustechniker, der für die Siedlung, in dem dieses Haus steht, hier und da kleinere und größere Dinge repariert. Artjom ist ein großer, beleibter Mann mit einer Halbglatze, so Ende 40, Anfang 50. Er trug einen „Blaumann“ und einen Rucksack mit Werkzeugen als ich ihn traf. Ich traf Artjom vor einem anderen Hochhaus, in das ich hinein wollte, um mir einen Überblick über die Siedlung von oben zu verschaffen. Doch man kommt nicht einfach so in diese Häuser, denn die sind entweder bewacht oder aber man braucht einen Code, um die Eingangstür öffnen zu können. Artjom hatte den Code für dieses Haus, er hat den Code für alle Häuser in der Siedlung. Und diese Codes trägt er bei sich, und zwar als lose Blattsammlung in der Brusttasche seiner Latzhose. Zunächst lehnte er es ab, mich hineinzulassen. Aber ich ließ nicht locker, denn Artjom sah lieb aus und ich wußte, eigentlich wollte er gar nicht nein sagen. Ich bat ihn eindringlichst in Englisch, Deutsch und Spanisch, er lehnte in Russsich ab, immer wieder, bis eine alte Dame sich zu uns gesellte, scheinbar fragte, was los sei und von Artjom scheinbar eine Antwort erhielt. Ich verstand nichts, las aber in der Mimik der beiden, dass die Dame ihn zum Einlenken bewegen wollte, was ihr letztendlich auch gelang. Also gingen wir hinein, Artjom und ich, fuhren mit dem Fahrstuhl in den letzten Stock, stiegen über eine Treppe aufs Dach. Ich machte mein Foto, bedankte mich bei Artjom mit einer Verbeugung und kindlicher Freude und es hat Artjom scheinbar glücklich macht, mich glücklich gemacht zu haben: Sein Lächeln durchzog seine stolzen, roten Wangen, die sich unter seine Augen schoben, und die wurden dann ganz klein! Wir fuhren hinunter und er zeigte mir dann noch das Haus, in dem er wohnt, und sagte, dass er ein Balkon habe, ganz oben, und über die ganze Stadt sehen könne. Und dass er mal in der Japanischen Botschaft mit einem Österreicher zusammengearbeitet hat, der sehr nett war. Sie haben dort die Elektrik gemacht. Er mochte es, in die Google App zu sprechen, die mir dann sein Gesagtes auf Deutsch vorlas.

 

Blick auf die Verkehrsinsel von Novokosino, einem Randbezirk im Osten Moskaus

 

Was mich wirklich mürbe macht sind diese breiten, weiten Straßen von Moskau, die von riesigen Baukomplexen gesäumt werden. Die Stadt zu Fuß zu erkunden ist wahrlich eine große Herausforderung, vor allem nervlich.

 

Ich bin ein echter Fan der Metro. Engmaschige Taktung, engmaschiger Netzplan.

 

Sieht echt schräg aus! Hier ist man
auch mal ganz unkonventionell.

 

 



Beitrag veröffentlicht im September 2017
.............
© Thomas Klingberg  2017 | Documentary Photography
▲ back to top
MENU