Leben mitten im Museum

In einem Museum zu wohnen ist schon eine spannende Sache. Man tritt aus dem Appartment, geht ein paar Schritte durch den Flur und schon befindet man sich mitten in den Ausstellungsräumen. Am gestrigen Donnerstag wurden hier gleich mehrere Ausstellungen eröffnet und so war das Museum gut besucht. Constantin Brancusi, Nikita Alexeev und eine Restrospektive des Sowjet-Fotografen Alexander Steshanov gab es zu bestaunen.

 

Frauenpauer im Multimedia Art Museum in Moskau

Frauenpower bei der Eröffnung der Ausstellungen. Die zweite Dame von links ist Olga Swiblowa, die Direktorin des Multimedia Art Museums. Sie ist eine vorzügliche Gastgeberin, äußert sympathsch und führt das Museum – wie man hier sagt – sehr straff aber herzlich. Diesen Eindruck hatte ich auch bei meiner ersten Begegnung mit ihr. Wer Interesse hat, etwas mehr über sie zu erfahren, der kann dies auf → Wikipedia tun.

 

Gaeste Multimedia Art Museum

Gut besucht war die Ausstellungseröffnung im Moskauer Multimedia Art Museum.

 

Anya Multimedia Art Museum

Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung wurde es dann informell in geselliger Runde in einer netten Bar in der Nähe des Museums. In der Mitte: Anya, zuständig für die Ausstellungsgestaltung. Sie spricht perfektes Deutsch, hat selbst in Berlin gelebt und für die Berlinsche Galerie gearbeitet. Ein wahnsinnig sympathischer Mensch mit wahnsinnig viel Energie. Links von Ihr sitzt der Dichter und Fotograf Timofei Parschtschikow, gemeinsamer Sohn der Museumsdirektorin Olga und des bekannten russischen Dichters Alexei Maximowitsch Parschtschikow. Rechts neben Anya sitz Alex, ein in Russland geborener und in New York lebender Künstler.

 

centre pompidou paris moskau

Dieses Foto zeigt… dass ich mich mal wieder rasieren und auch ein paar Kilo abnehmen muss. Und die Dame rechts neben mir ist Julie Jones aus Paris, Mitarbeiterin des Musée National d’Art Moderne-Centre Pompidou in ebenda und hat die Constantin Brancusi-Ausstellung kuratiert.

 

Kunstgespraeche Thomas Koester Misha Most Anna Krutikova

 

Kunstgespräche. Links: Der russische Grafitti- und Streetart-Künstler Misha Most, der Wände auch mal mit Unterstützung  einer Drohne bemalt. In der Mitte Architektin Anna Krutikova, daneben Thomas Koester, der an der Kunstakademie Berlin studierte.

 

Bar in Moskau

In Russland wird vorzügliches Bier gebraut. Hier wird es in einer Bar in der Nähe des Kreml ausgeschenkt.

 

Toiletten Moskau

Trockenfisch in Moskau

 

Wie überall auf der Welt, so bieten auch die Toiletten in den Bars und Clubs in Moskau ein herrliches Lesevergnügen. Alltagslyrik, politische Statements und Liebeseklärungen sowei kleine und große Kunstwerke machen das Unumgängliche zu einem seichten Vergnügen. Und wer nicht mehr mag, der geht heim und besorgt sich in einem der vielen 24-h-Open-Läden etwas gegen den Kater, beispielsweise Trockenfisch oder aber die öligere Variante. Da freut sich der Kater!

 

Fisch in Moskau

Liegt oft einfach offen aus. Soll dabei helfen, am nächsten Tag einen klaren Kopf zu haben.

 

Lieblingsplatz Ostozhenka Moskau

Wenn ich vom Museum losziehe oder dorthin zurückkehre, dann komme ich immer an diesem Platz vorbei, unweit der Metrostation Kropotkinskaja, setze mich stets ein paar Minuten auf die Stufen des Friedrich-Engels-Denkmals und schaue in die Runde. Im Hintergrud die Christ-Erlöser-Kirche. Der Platz ist garnicht besonders schön, aber hier kann ich vorbeilaufede Passanten beobachten, einen Kaffee trinken, einfach innehalten. Hier findet Ihr den Ort auf → Google-Maps.

 

Bus Moskau

Derzeit fahre ich oft raus in die Randgebiete Moskaus für meine fotografischen „Outskirt Studies“. die hier zu einem wesentlichen Teil meiner Arbeit werden, geworden sind. Urspünglich hatte ich die Idee, einen fotografischen Abriss über die Kinder- und Jugendkultur in Moskau zu erarbeiten, was ich aber verworfen habe, da ich mich intensiv mit der fotografischen Arbeit im Kinderhospiz auseinandersetzen möchte und nicht sicher bin, ob es mir gelingt, diesen Gegensatz von jugendlicher Lebendigkeit und kindlicher Leb-endigkeit professionell auszublenden. Ich fotografiere ja doch eher mit dem Herzen statt mit dem Kopf. Die Outskirts-Studies sind ein schöner Ausgleich dazu. In einem Gespräch dazu gestern: „Hast Du keine Angst wenn Du da draußen bist, ich meine, die Leute da, am Stadtrand, in den Siedlungen..“ Diese Ideen über die „da Draußen“ sind scheinbar weltweit deckungsgleich.

 

Das Wetter heute ist mal wieder sehr bescheiden. Aber mir sind Sturmwarnung, wie es sie heute gab, lieber als Bombendrohungen, wie es sie vorgestern gab.

Wetter in Moskau

Waschmaschine zu verkaufen

Was man hier in Moskau sehr selten sieht sind „wilde Kleinanzeigen“ an Ampeln, Straßenschildern, Hauswänden etc. Hier hat sich jemand gewagt: Ich verkaufe eine neue Waschmaschine für 19.000 Rubel, das sind umgerechnet etwa 275 Euro. Viel Glück!

 



Beitrag veröffentlicht im September 2017
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© Thomas Klingberg  2017 | Documentary Photography
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